Ernst Heller - Pfarrer für Circus, Markthändler und Schausteller
Pfarre Ernst Heller

Pfarrer für Circus, Markthändler und Schausteller

 

Philipp Neri-Stiftung

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Film Besuch beim
Zirkus-Pfarrer Heller

Film 10 Jahre Circus-Pfarrer Ernst Heller

Forum-Treffen in Amsterdam

Mittwoch, 18. März 2009

Gruppenbild auf dem Deck der MS Serenity mit Teilnehmern des Kongresses.

Bild

Es war eine illustre Schar von Leuten, die sich in Amsterdam an der Ruyterkade einfand, um auf der MS Serenity einzuchecken. Seelsorger aus Italien, Frankreich, Deutschland, Holland, Belgien und der Schweiz waren angereist, um am Kongress der Circus- und Schausteller-Seelsorger teilzunehmen.
Eingeladen hatte das "Forum der christlichen Organisationen für die pastorale Circus- und Schausteller-Seelsorge", deren aktueller Vorsitzender Bernhard van Welzenes ist. Der holländische Schiffer-Seelsorger hatte im Vorfeld des Kongresses mit vielen freiwilligen Helfern ein Programm zusammengestellt, das sich sehen lassen konnte. Davon zeugte nicht nur die dicke Kongressmappe.
Auf dem luxuriösen Flussschiff MS Serenity wurden während vier Tagen Vorträge und Präsentationen dargeboten, wurde edel gespeist und in den Suiten gut geruht. Es wurde diskutiert, nachgedacht und gebetet. Von Amsterdam aus wurden verschiedene Orte angesteuert. Zweimal wurde auch ein Gottesdienst mit allen Konzelebranten gefeiert, was jeweils ein beeindruckendes Bild abgab. So in der Niklaus-Kirche in Amsterdam und in der evangelischen Gemeinde in Volendam, dem ältesten Gotteshaus in diesem idyllischen Touristendorf.
Der Kongressort Amsterdam war bewusst gewählt, gilt doch die Hafenstadt seit je her als ausgesprochen empfänglich für das fahrende Volk. Das Plakat "Kermis-Westerpark" (den man auch besucht hat) prangte überall im Hafenviertel.
Bevor es mit dem Kongress losging, wurde Ernst Heller staunender Zeuge einer Schiffstaufe, die es in sich hatte. Durchgeführt von Bernhard van Welzenes bei stürmischem Regen, musste der Krienser zuvor ein mit Kohle beladenes Schiff besteigen. Wie Heller, reist auch Schiffer-Seelsorger Welzenes zu seinen Seelen, wenn sie ihn brauchen. Einer, der viele Kilometer über holländische Strassen sausen muss und sein Büro teilweise vom Auto aus führt.
Die Arbeitsfelder der Seelsorger, die an Bord anwesend waren, umfasst Schausteller, das gesamte Reisegewerbe und sonstiges Ensemble der Vergnügungsbranche. Aus den Gesprächen erfuhren die Teilnehmer, wie unterschiedlich die Lebens- und Arbeitswelten in den jeweiligen Ländern sind. Während der niederländische Schiffer-Seelsorger Bernhard van Welzenes sowie der deutsche Circus-Seelsorger Martin Fuchs von der Kirche Angestellte zur Seite erhalten, müssen französische Kollegen knapp rechnen oder, wie Ernst Heller, sich den Lohn selbst erwirtschaften. Geneviève von den Kleinen Schwestern aus Rom wiederum berichtete, dass das fahrende Volk in Italien noch immer von einer dem Berufsstand entgegenkommenden Gesetzgebung profitieren kann. Die meisten jedoch eint das Gefühl, dass sie Einzelkämpfer sind und ihre Arbeit bei weniger Geld immer anspruchsvoller wird.
Ein grosser Platz wurde den vielen Berichten der Seelsorger über die derzeitigen Probleme der Branche eingeräumt. Da wäre der Circus als Kulturgut: Noch lange nicht alle EU-Länder erkennen den Circus als Kultur an. Auch die Schaustellerbranche möchte europaweit kulturell anerkannt werden. Ein steiniger Weg. An vielen Orten, so sagte ein Teilnehmer, findet derzeit ein „Traditionsabbruch“ statt. Andererseits lebt gerade die Kirmes vielerorts noch immer. Sie wärmt das Herz, ist Insel der Gemütlichkeit in dieser hektischen Zeit. Einig waren sich die Teilnehmer diesbezüglich, dass man sich als Forum künftig sowohl innerhalb der Kirche, als auch in Brüssel bei entsprechenden EU-Instanzen mehr Gehör verschaffen will. Diverse Gespräche sind am Laufen.
Weitere Probleme: Strengen Umweltvorschriften verbannen Circus- und Schaustellerfahrzeuge immer mehr aus den Zentren der Grossstädte. Schausteller- und Zirkustransporte sind zudem noch längst nicht in allen europäischen Ländern von der Europäischen Transportregelung befreit worden, obwohl die Vorschriften diese Möglichkeit durchaus zulassen. Die Tierhaltung: Durch den anhaltenden Druck von Tierschützern fühlen sich viele Zirkusse regelrecht bedroht. Sie werden als Tierquäler abgestempelt und nicht als Träger einer alten Kultur angesehen. Die Finanzkrise: Etliche Teilnehmer berichteten über die Auswirkungen der derzeitigen Wirtschftskrise, die den Alltag aller in dieser Branche arbeitenden nicht eben leichter macht. Dazu kommen: Steigender Konkurrenzdruck, Vereinzelung, Überarbeitung. Dabei steigt der Bedarf an Seelsorge-Gesprächen.

Neben den zu beklagenden Problemen gab es an diesem Kongress auch etliche Lichtblicke. So waren einige prominente Gäste an Bord. Wie etwa Mgr. A.H. van Luyn, Chairman der Comece sowie Ministerin Maria van der Hoeven, die sich ebenfalls dafür aussprach, dass sich auf europäischer Ebene die Kräfte bündeln müssen für die Interessen des fahrenden Volkes. Sie wird sich, so sagte sie, weiterhin für den Erhalt der Circus- und Kirmeskultur in Europa einsetzen.
Ebenfalls ein Lichtblick waren die Berichte über die Schulausbildung für Circus-Kinder. Wouter Tuyn, Präsident des Netzwerkes ENTE („European Network for Traveller Education“), informierte über seine Arbeit. Die Organisation mit Sitz in Holland wurde 2005 gegründet und engagiert sich für den praxisnahen Unterricht für die Kinder des fahrenden Volkes. Ein Lehrer aus Holland berichtete, dass er derzeit mit 27 deutschen Kindern arbeite, weil auch deutsche Circen nach Holland kommen.
Weiter informierten Vertreter der Europäischen Schausteller-Union (ESU) über ihr Engagement. Als eine der ältesten Organisationen auf diesem Gebiet führt sie immer wieder Dialoge mit Politikern durch und sensibilisieren sie für die Belange des fahrenden Volkes.
Da das Hauptthema dieses Kongresses Testimonium hiess (Zeugniss), durfte – neben einem fundierten Vortrag über die Aktualität der Bibel - auch ein Beitrag über die neuen Medien nicht fehlen. Kenntnisreich informierte ein junger Pater über die Möglichkeiten des Social Web (Blogs, Youtube etc.)Schade war dabei nur, dass wenig in Erfahrung gebracht werden konnte, in welcher Form die Kongressteilnehmer die neuen Medien benützen.

Am Ende dieses intensiven Kongresses zeigten sich alle froh und dankbar darüber, dass diese Tage – in Anbetracht der Berücksichtigung unterschiedlicher Länder, Mentalitäten und Kirchenkulturen - in guter und konstruktiver Atmosphäre über die Bühne gingen. Auch Ernst Heller sagte in der Schlussrunde zu den Teilnehmern: "Der Erfahrungsaustausch und die persönlichen Begegnungen waren wichtig."

Mehr Infos:
www.ipc-ccw.org

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