Ernst Heller - Pfarrer für Circus, Markthändler und Schausteller
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Philipp Neri-Stiftung

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Film Besuch beim
Zirkus-Pfarrer Heller

Film 10 Jahre Circus-Pfarrer Ernst Heller

Donnerstag, 27. Mai 2010

KHG-Gottesdienst 26.5.2010 Filipp Neri – der Mann, der weiß, was Tugend heißt

PREDIGT

Tugenden!
Wer weiß, was Tugenden sind:
Du nicht, ich nicht, niemand.
Oscar Wilde

Einer, der weiß, was Tugend heißt, ist Philipp Neri. So behaupten die, die diesen Gottesdienst vorbereitet haben.
Zunächst ist Philipp Neri weniger als Tugendheld, mehr als „Spaßvogel“ bekannt. Den „Spaßvogel Gottes“ haben ihn die Römer genannt. Seine Späße, durchaus ernst gemeint, waren Stadtgespräch. Beispiel: Fuchsschwanz. Sein Ziel: er will von seiner inneren Entwicklung ablenken.

Philipp Neri 2010 in Eichstätt. Stellen wir uns vor: Ein Alumne aus dem Priesterseminar läuft in der Badehose durch die barocke Stadt. Eine Studentin aus dem Mentorat schreitet im Talar in die Vorlesung. Roland und Barbara gehen wie ein altes Ehepaar durch den Hofgarten spazieren. Und ich fahre mit einem Kinderwagen und natürlich mit einem Kind darin durch die Ostenstraße.
Szenen in Eichstätt, wie sie damals in Rom zu sehen waren. Philipp Neri hat „die heilige Stadt“ (?) auf den Kopf gestellt. Er hat entlarvt, was scheinheilig war, und gezeigt, was heilig sein kann. „Ein Heiliger, der traurig ist, ist ein trauriger Heiliger“ hat er aufgerufen und dieses Wort hat Franz von Sales so gefallen, dass auch er es gesagt hat. Und ganz im Sinne des Clowns in Rom fügt „der heilige Gentleman“ aus Annecy hinzu: „Freude öffnet, Traurigkeit verschließt das Herz.“
Freude ist eine Visitenkarte von Christen. Nicht keep smiling, mehr als fröhliche Falten im Gesicht. Nicht Partystimmung, mehr als Fete: ein Fest. Ein Fest mit Hinter-Grund. So wie wir in einem Lied singen: „Unser Leben sei ein Fest. Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen, Jesu Geist in unseren Werken. Unser Leben sei ein Fest an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.“

Ein solches Fest habe ich einmal erlebt. Mein Freund Ernst, der alles andere als ernst ist, hat Geburtstag gefeiert. Er ist in unseren Tagen ein „Clown Gottes“ (Buchtitel). Schausteller-Seelsorger in der Schweiz und international unterwegs als fröhlicher Botschafter Gottes. Er leitet eine Philipp-Neri-Stiftung, die Menschen in Notlagen unterstützt. An seinem Geburtstag hat er zu einem Fest eingeladen. Dieser Gottesdienst war anders, äußerlich und innerlich. Ein Clown kam durch den Mittelgang und brachte Halleluja-Stimmung mit. Eine Jazz-Band spielte beschwingte Musik. Und noch mehr, das zu einer fröhlichen Stimmung beitrug. Was mich faszinierte: in diesem Gottesdienst war mehr als oberflächliche Unterhaltung, mehr als billige Gaudi-Stimmung, mehr als Clownerie und Zirkus. Hier war Freude im Raum, Freude von oben und von innen. Beim Friedensgruß und bei der Kommunion blickte ich in Gesichter, in denen etwas leuchtete – von innen heraus. Etwas, das nicht inszeniert ist, sondern sich ereignet – jetzt, hier.
In dieser frohen Feier habe ich erlebt, was Philipp Neri ein Anliegen war: er wollte Menschen zu JESUS führen. „Es lebe Jesus in mir“ hat er sich gewünscht und seinen Wunsch mit anderen geteilt: „Es lebe Jesus in dir!“ Zentral war für ihn die Begegnung mit IHM – in der heiligen Messe, im gemeinsamen Gebet („Oratorium“) und im persönlichen Herzensgebet. Nicht eine Frömmigkeit, die sich zur Schau stellt, wollte er, vielmehr eine Spiritualität, die JESUS aufscheinen lässt. Nicht spektakulär, sondern unauffällig. Nicht außergewöhnlich, sondern gewöhnlich. Nicht nur sonntäglich, sondern alltäglich.

Wir brauchen nicht in anderen Kleidern durch Eichstätt laufen. Es genügt im Kleid meines Lebens zu sein. Ich darf mich mein Leben lang erinnern: in der Taufe wurde ich mit neuem Leben überkleidet. Das Taufkleid ist dafür Symbol.
(Hinweis auf Sven, der am Sonntag bei seiner Taufe ein weißes Kleid angezogen hat)
Nicht nur bei der Taufe, immer wieder neu werden wir mit neuem, göttlichem Leben „bekleidet“.
In jeder Eucharistiefeier wird uns frohe Botschaft zugesprochen, begegnet uns Gott, der in Seinem Sohn einer von uns geworden ist und in Seinem Geist jede/n von uns erfüllen will. Von innen heraus will er mit Freude erfüllen. Dich, auch mich. Amen.

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